infos-Zeitung, 2003-1
infos-Zeitung – Jahrgang 7 (2003), Heft 1– Ausgabe zur Absolventenfeier 2003 16. Mai 2003





- Offizielle Zeitung des Informatik-Forum Stuttgart e.V. -
Jahrgang 7 (2003), Heft 1





Inhalt

  • Der Neubau der Informatik
  • Ferienakademie 2002 – Törggelen and more!
  • Ferienakademie 2002: Und die Studierenden?
  • Die Geschichte der Stuttgarter Informatik: Das Institut für Informatik (1972 bis 2002)
  • infos-Infos: Hinweise / Termine
  • Impressum


  •  

    Der Neubau der Informatik

    Am 19. März war es soweit. Zwar waren an den Tagen zuvor bereits viele gepackte Kartons aus den Büros der Breitwiesenstrasse verschwunden, aber dieser Tag markiert für viele den Abschied vom alten Domizil der Informatik. Am Nachmittag zogen die Packer den ersten Mitarbeitern die Rechnertastaturen unter den noch tippenden Fingern weg und verbrachten die Rechner in Windeseile in den Neubau, wo die Netzwerkgurus alle Hände voll zu tun hatten, über das Wochenende die neue Welt zu konfigurieren und die Telefonie zum Leben zu erwecken, während auf allen Stockwerken letzte Hand an die Möbelinstallation gelegt wurde. Am Montag, 24. März, besiedelten die Mitarbeiter bereits ihre Büros, wo Stapel von Kisten darauf warteten, ihre Schätze wieder preiszugeben. Noch hielten die Handwerker die solide Mehrheit im Gebäude, so dass bei Klang von Kreissägen und Hämmern auch gut auszupacken war.

    Vorausgegangen waren 23 Monate seit der Grundsteinlegung, in denen wir täglich den Fortschritt der Bauarbeiten im Internet beobachten konnten, in den letzten Wochen mit wachsender Nervosität, ob die Termine wohl gehalten werden konnten. Punktgenau war die Fertigstellung nicht, aber doch so, dass die Umsiedlung und die letzten Arbeiten am Bau bis auf Kleinigkeiten noch vor Beginn der Vorlesungszeit abgeschlossen werden konnten.

    Ohne jeden Zweifel ist der Neubau eine sehenswerte Leistung der Architektur. Mit seiner Lichtdurchlässigkeit und Leichtigkeit ist er eine Umgebung, in der man sich sehr schnell wohl fühlt. Im Erdgeschoss gruppieren sich vier Hörsäle, zwei große Rechnerpools und die zweistöckige Informatikbibliothek entlang der studentischen "Mall", die den Bau in seiner ganzen Länge durchzieht. Die Kunst am Bau trägt durch die farbige Gestaltung der Mall zu einem überaus freundlichen Charakter bei. In den Seitengängen der Mall sind Seminare, kleinere Poolräume, studentische Arbeitsräume und Labore wie auch das Computer-Museum und weitere Funktionsräume untergebracht. Die Hörsäle verfügen über modernste Medientechnik, deren Bedienung schon den Diplomgrad abnötigt. Die in einem Hörsaal fast über die ganze Breite gezogene 3-D Präsentationsfläche ist für deutsche Hörsäle unseres Wissens einmalig. Im Untergeschoss bereiten sich die Kleinroboter im großen Roboterlabor emsig auf ihren Einsatz bei den RoboCup Meisterschaften vor.

    In den Obergeschossen befinden sich die Büroräume und Rechnerpools der Abteilungen. Auch hier lockern die Farbgebung und architektonische Elemente den Eindruck so auf, dass man sich kaum wie in einem Bürobereich fühlt. Auf den gut 4000 qm sind 14 der derzeit 15 Lehrstühle der Informatik untergebracht. Die Genehmigung des Baus sah nur eine Ausbaustufe von 14 Abteilungen vor, weswegen eine Abteilung leider im Neubau keinen Platz mehr fand und in einem benachbarten Gebäude der nunmehr vereinigten Fakultät Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik untergebracht werden musste. Auch dieser Umbau und Umzug erfolgte reibungslos trotz extremer Enge der Termine. Hier gebührt dem Universitätsbauamt besonderer Dank, das schier Unmögliche geschafft zu haben.

    Besonders schön sind die im 1. Stock begehbaren vier Innenhöfe des Neubaus, die nach unterschiedlichen Motiven gestaltet wurden und bereits zu einem Treffpunkt in den Mittagsstunden geworden sind. Bei frischer Luft und einem guten Kaffee lässt sich hier trefflich diskutieren. Auch die Raucher finden hier einen Ruheort in dem ansonsten rauchfreien Gebäude. Für unsere Alumni ist es bedauerlich, dass sie nicht bereits in diesem beeindruckenden Gebäude mitten am Vaihinger Campus studieren konnten. Wir möchten Sie aber gerne einladen, uns zu besuchen, etwa zur alljährlichen Absolventenfeier am 16. Mai oder zum Tag der offenen Tür am 28. Juni.

    (Prof. Erhard Plödereder / ts)




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    Abb. 1: Kurs 6 vor dem „Murrerhof“

    Ferienakademie 2002 – Törggelen and more!

    „Wenn es an der Uni nur auch so sein könnte wie hier!“ Dieser Kommentar eines Studierenden am Ende der zwölf Tage im Sarntal verdeutlicht das primäre Ziel der Ferienakademie – eine Atmosphäre zu schaffen, in der das möglich wird, was im universitären Alltag oftmals verloren gegangen ist: der enge persönliche Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden, nicht gestört durch Telefonate und Termine, das gemeinsame Arbeiten an wissenschaftlichen Fragestellungen ohne Leistungskontrolle und Erfolgsdruck, Raum für Gespräche weit über den fachlichen Rahmen hinaus, abends beim Wein oder bei ausgedehnten Wanderungen in der Bergwelt Südtirols.

    1984 fand die Ferienakademie, eingerichtet auf Initiative des Doyens der deutschen Informatik, F. L. Bauer, als Veranstaltung der TU München erstmals statt.

    Ein Jahr später gesellte sich die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg dazu, und 2002 komplettierte nun unsere Hochschule das Trio der „großen süddeutschen technischen Hochschulen“ (Zitat von höchster Stelle – sorry, Karlsruhe und Darmstadt!).

    Aktuell bietet die Ferienakademie in 10-12 seminarähnlich organisierten Kursen jeweils etwa 15 Studierenden der teilnehmenden Hochschulen die Möglichkeit, sich gemeinsam mit zwei Kursleitern auf einem fachspezifischen oder interdisziplinären Themengebiet zu vertiefen.

    Die Schwerpunkte des Kursangebots liegen dabei im ingenieur- und naturwissenschaftlichen Bereich, aber auch Fragestellungen aus Finanzmathematik, Medizin oder Ethik der Technik werden in Kursen behandelt.

    Untergebracht ist man in mehreren Gasthöfen im Sarntal nördlich von Bozen, das sich zum traditionellen Zeitraum – der Zeit von Wiesn und Wasen – von seiner reizvollsten Seite zeigt. Die Finanzierung erfolgt durch Spenden aus der Industrie oder von den Freundesbünden der Hochschulen. In Stuttgart hat dankenswerterweise das Informatik Forum Stuttgart e.V. infos die Anschubfinanzierung übernommen, der Rektor hat Unterstützung bei der Einwerbung weiterer Mittel zugesagt.

    Ein Modell für die tägliche Arbeit an der Hochschule kann die Ferienakademie nicht sein – das wäre unter den gegebenen Bedingungen absolut unrealistisch. Sie ist vielmehr gedacht als wertvolles Zusatzangebot für die engagierteren und interessierteren Studierenden, die bereit sind, auch ohne Honorierung in Form von Scheinen oder – neudeutsch – Credits für eine solche Chance Zeit in die Vorbereitung ihres Vortrags zu investieren und sich auch vor Ort voll einzubringen.

    Ähnliches gilt für die Professoren, die aus der Erfahrung der Ferienakademie und insbesondere aus den ungezwungenen Gesprächen mit Studierenden und Kollegen wieder Schwung und neue Anregungen für Lehre und Forschung gewinnen. So war es noch nie schwierig, engagierte Hochschullehrer für diese Aufgabe zu gewinnen, obwohl auch für alle Dozenten – den Zielen der Ferienakademie entsprechend – permanente Präsenzpflicht im Sarntal gilt.

    Ein besonderes Schmankerl sind sicher die Gäste der einzelnen Kurse. So zeigt ein Blick ins Gästebuch der Ferienakademien vergangener Jahre eine beeindruckende Liste ebenso beeindruckender Namen und Titel: Da finden sich Nobelpreisträger, Hilbertproblemlöser und andere Aushängeschilder der internationalen Forschungsgemeinschaft, aber auch Vorstände des einen oder anderen Global Players.

    Das Treffen der Präsidenten bzw. Rektoren der beteiligten Universitäten hat schon Tradition, und auch Ministerialbeamte sind gerne gesehene und gerne kommende Gäste. „Mein schönstes Wochenende überhaupt“ meinte diesmal beispielsweise ein Abteilungsleiter aus dem Bayerischen Wirtschaftsministerium, der über das Instrumentarium staatlicher Förderung von Existenzgründern referierte und diskutierte – derartige Einblicke in Ministerien können den Hochschulen angesichts bevorstehender Sparmaßnahmen nur helfen.

    Dass es nicht nur Vorträge und Diskussionsrunden gibt, versteht sich von selbst. Geradezu legendär sind die Sarntaler Schach- und Tischtennisturniere (erstaunlich, mit welcher Verbissenheit Professoren da um jeden Punkt fighten...). Ausgiebige Bergwanderungen komplettieren das Programm. 2002 war die Ferienakademie mit einer eigenen (sogar professoral bestückten) Mannschaft beim Höhenlauf der „Lauffreunde Sarntal“ vertreten.

    Bei Stuttgarts Ferienakademie-Premiere sorgten fünf stuttgarter Kursleiter und Gastdozenten – davon vier aus unserer neuen Fakultät – sowie fünfzehn Studierende für schwäbisches Flair im ansonsten bajuwarisch-fränkisch geprägten Ambiente. Von Seiten unserer neuen Fakultät waren die Professoren Jochen Ludewig und Hans-Joachim Bungartz aus der Informatik, Jürgen Werner aus der Elektrotechnik sowie Barbara Wohlmuth aus der Mathematik (seit kurzem kooptiertes Mitglied der Fakultät 5) beteiligt. Komplettiert wurde die Fünferriege aus Stuttgart durch Prof. Peter Eberhard aus dem Maschinenbau.

    Kulturschocks waren inklusive – so zeigten sich einige Ferienakademie-Neulinge am Morgen des 23. Septembers tatsächlich überrascht, dass sich unter Bayern und Südtirolern die Begeisterung über den Ausgang der Bundestagswahl in Grenzen hielt...

    Auch praktische Dinge kamen in den Kursen nicht zu kurz. Im Kurs über Strukturoptimierung gab es beispielsweise Übungen am Rechner sowie Experimente, bei denen aus Seifenlösung Minimalflächen oder aus Strümpfen Zeltkonstruktionen angefertigt wurden.

    Abb. 2: Kurs 1 beim obligatorischen Posing

    In diesem Jahr wird die Universität Stuttgart bereits an der Organisation von sechs Kursen beteiligt sein, unter Mitwirkung der Fakultäten 3 (Chemie), 5 (Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik), 7 (Maschinenbau) und 9 (Philosophisch-historische Fakultät).

    Aus der Stuttgarter Informatik bieten 2003 die Professoren Thomas Ertl und Joachim Bungartz Kurse an – jeweils mit Partnern von der TU München. Den Stuttgarter Studierenden stehen aber natürlich alle Kurse offen. Das vollständige Kursprogramm ist überall plakatiert, weitere Informationen zur Ferienakademie 2003 gibt es im Web unter

    http://www5.in.tum.de/FA/

    In diesem Zusammenhang ein dickes Dankeschön an infos, das auch 2003 die Ferienakademie tatkräftig unterstützt. Der Weg ist somit auch in Stuttgart frei zur Bewerbung für die „beste Sache, die mir je in meinem Studium passiert ist“, wie es 1999 ein Teilnehmer formulierte!

    (Hans-Joachim Bungartz / ts)



    Abb. 3: Auf dem Gipfel der Emotionen!


     

    Ferienakademie 2002: Und die Studierenden?

    Erstmals nahm die Universität Stuttgart im Herbst an der Ferienakademie teil – Grund genug für vier Teilnehmer der ersten Stunde, ihren zukünftigen Nachfolgern die „Zehn Gebote“ der Ferienakademie zu offenbaren:

    1. Du sollst die Servietten nicht
      sortieren.

    Jeder weiß: Wenn viele Menschen verschiedener Herkunft zusammentreffen und mehrere Tage miteinander verbringen, dann bilden sich schnell Gruppen. Die Organisatoren der Ferienakademie versuchten, dieser Ghettobildung mit einem ausgeklügelten System entgegenzuwirken.

    Dazu sollte jeder am Anfang seine Serviette mit einem Symbol kennzeichnen. Vor jeder Mahlzeit wurden die Servietten dann gemischt und zufällig auf die Tische verteilt. Auf diese Weise sollte erreicht werden, dass jeder einmal mit jedem zusammen am Tisch saß. Aber jedes System hat seine Schwächen, und so trafen sich gegen Ende der Ferienakademie durch gezielte Eingriffe in den Verteilungsalgorithmus verdächtig oft dieselben Leute am Tisch.

    1. Du sollst Deinen Teller leer essen.

    Eine große Herausforderung war die Bewältigung der ungeheuren Mengen an Essen, die dreimal täglich aufgetischt wurden – dazu der Kuchen zur Kaffeepause...

    Mit hoher Qualität und sanftem Druck, den Teller leer zu essen, versuchte die Wirtsfamilie, unsere Gewichtszunahme zu maximieren. So waren wir chancenlos beim Versuch, die Kaiserschmarrn-Vorräte des Hauses aufzubrauchen.

    Auch die bereitgestellten Räumlichkeiten für Unterbringung, gesellige Abende und Kurssitzungen waren hervorragend.

    1. Du sollst Bergschuhe mit-nehmen.

    Bergwanderungen waren ein wichtiger Teil der Freizeitgestaltung. Insgesamt ging es fünfmal in die Berge, darunter waren zwei Tageswanderungen.

    Hierbei hatte man eine gute Gelegenheit, die schöne Landschaft des Sarntals kennen zu lernen, und konnte gleichzeitig auch noch etwas tun, um abends beim guten Essen wieder ohne Reue voll zulangen zu können – genau der richtige Ausgleich zum Seminarprogramm.

    1. Du sollst Minimierungsprobleme und Bergwanderungen klar
      trennen.

    Im Gebirge müssen einige Gefahrenquellen beachtet werden. Unter anderem eignet sich die Methode des steilsten Abstiegs nicht zwangsläufig dazu, vom Berg sicher ins Tal zu kommen. Nicht jeder begriff das gleich beim Einführungsvortrag unseres erfahrenen Bergführers. So kam es, dass mancher Gefährte auch die unangenehmen Seiten der Bergwelt hautnah erlebte.

    1. Du sollst gesellig sein.

    An den meisten Abenden stand nichts Besonderes auf dem Programm. Der gute Wein trug seinen Teil dazu bei, dass es viele intensive und interessante Gespräche gab, in denen jeder die anderen Kursteilnehmer und auch die Dozenten gut kennen lernen konnte.

    Einige verbrachten auch manchen Abend mit Liederbüchern und Gitarre und hatten ihren Spaß dabei.

    1. Du sollst Russisch lernen.

    Alleine schon die Tatsache, dass Studenten von drei deutschen Universitäten auf der Ferienakademie zusammenkamen, führte zu vielen neuen Kontakten und interessanten Gesprächen.

    Studiengänge, Studienbedingungen und das Mensa-Essen wurden verglichen, Neuigkeiten sowie Anekdoten ausgetauscht und Einladungen ausgesprochen. An unserem Hof kam jedoch noch hinzu, dass vier russische Studenten aus St. Petersburg teilnahmen, was der Ferienakademie internationales Flair verlieh: Nicht nur die Kursvorträge wurden auf Englisch gehalten (was das fachspezifische Vokabular erweiterte), auch viele Diskussionen verliefen in „russisch-schwäbisch-bayerischem“ Englisch.

    Man hat schließlich nicht oft die Gelegenheit, etwas über das Leben eines Studenten in Russland aus erster Hand zu erfahren! Und es gab eine Menge interessanter Dinge zu erzählen und zu lernen. Beispielsweise, dass ein Stipendium in Russland schon einmal weniger als sieben Euro betragen kann...

    1. Du sollst Dich an mathematischen Problemen ergötzen.

    Als besonderen Gast hatten wir Prof. Yuri Matiyasevich an unserem Hof, der uns nicht nur auf Wanderungen begleitete, sondern auch einen Vortrag über das zehnte hilbertsche Problem hielt, dessen Lösung ihm 1970 gelungen war.

    Doch nicht nur er, sondern auch die vier russischen Studenten bereicherten unsere Abende auf mathematische Weise, hatten sie doch alle bei der russischen Mathematik-Olympiade einen der vordersten Plätze belegt.

    An einem Abend berichtete einer über den Wettbewerb und stellte uns einige Beispielaufgaben, für deren Lösung Prof. Zenger sogleich eine Flasche Wein als ersten Preis bot.

    Abb. 4: Ja, ja – gearbeitet wurde auch!

    1. Du sollst offen sein für Unverständliches und Unbekanntes.

    Egal zu welcher Tageszeit und bei welcher Tätigkeit – man fand immer Möglichkeiten und Partner für eine Diskussion. Besonders die Mahlzeiten boten hierfür gute Gelegenheiten.

    Da auf der Ferienakademie Studenten und Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen aufeinander treffen, waren Meinungsverschiedenheiten vorprogrammiert. So versuchten Professoren wie auch Studenten teilweise, einzelne von ihrer Meinung zu überzeugen oder sogar regelrecht zu missionieren.

    Auch in den Vorträgen stießen die Teilnehmer auf reichlich Unbekanntes oder Unverständliches. Die Dozenten bemühten sich mit großer Begeisterung, uns genau dies näher zu bringen, was ihnen auch regelmäßig gelang. So konnte keiner am Ende sagen, er hätte nichts gelernt – denn zu lernen gab es jede Menge!

    1. Du sollst Dich in Deinem Vortrag nicht von professoralen Zwischenrufen stören lassen.

    Das Wichtigste der Ferienakademie waren natürlich die studentischen Vorträge. Jeder von uns hatte zuhause seinen Vortrag vorbereitet, um ihn dann im Kurs vorzutragen.

    Leider hatten wir vergessen, dass zu den Zuhörern auch Professoren zählten. Diese neigen dazu, immer sehr viele Fragen zu stellen, was den einen oder anderen etwas aus dem Konzept brachte. Die Zwischenfragen waren jedoch meist sehr lehrreich und führten zu lebhaften Diskussionen.

    Abb. 5: Essen fassen!

    1. Du sollst Deinen Hof zum
      Turniersieg führen.

    In jedem Gasthof waren Tischtennis- und Schach-Ausrüstungen vorhanden. Es sollten hofübergreifende Turniere stattfinden, bei denen die jeweils besten Spieler ihr Können für den Ruhm des eigenen Hofes in die Waagschale werfen durften.

    Der sportliche Ehrgeiz wurde angetrieben von einem gut gepflegten Feindbild der anderen Höfe. So begann überall ein intensiver Wettbewerb, um eine möglichst gut gerüstete Mannschaft in den Kampf schicken zu können. Wir konzentrierten uns auf das Schachspiel.

    Die russischen Teilnehmer waren die klaren Favoriten und das Salz in der Suppe. Das intensive Training machte sich schließlich bezahlt: Unser „Murrerhof“ siegte im Finale 3:1 gegen den „Feldrand“.

    Beim Tischtennis wurde durch einen demokratischen Prozess ebenfalls ein starkes Team aufgestellt. Die Teilnahme von Prof. Zenger sorgte für eine regelrechte Heldenverehrung beim Halbfinale gegen den „Kircherhof“, das nur knapp verloren ging.

    Während Prof. Zenger mit kurzer Hose und chinesischer Schlagtechnik für Angst und Schrecken beim Gegner sorgte, zeigte sich Prof. Bungartz bemerkenswert kreativ beim Erfinden von Schlachtgesängen zur Einschüchterung der Anhänger des „Kircherhofs“. Mit seinen enthusiastischen Schlachtenbummlern war der „Murrerhof“ ganz klar der moralische Sieger!

    (Stefan Kiefer (inf.), Iris Pflieger (math.), Dirk Pflüger (inf.), Steffen Waldherr (kyb.) / ts)


     

    Die Geschichte der Stuttgarter Informatik: Das Institut für Informatik (1972 bis 2002)

    Über dreißig Jahre bildete das Institut für Informatik der Universität Stuttgart – kurz IfI genannt – einen stabilen Pfeiler, auf dem die Stuttgarter Informatik ruhte. Gemeinsam mit seinem 1988/89 gegründeten Schwesterinstitut, dem IPVR (Institut für Parallele und Verteilte Höchstleistungsrechner) stellt es die personellen, die technischen und die organisatorischen Ressourcen für Informatik-Forschung und -Lehre bereit.

    Im Februar 1971 gibt Professor Dr. Walter Knödel die Leitung des Rechenzentrums der Universität Stuttgart (kurz: RUS) ab. Sein Lehrstuhl für Instrumentelle Mathematik verwendet den neuen Namen „Institut für Informatik“ (IfI). Dann – am 16. Februar 1972 – wird das IfI als nunmehr selbständige Universitätseinrichtung offiziell vom RUS getrennt.

    Die Personal- und Finanzausstattung des IfI stammt zu diesem Zeitpunkt aus drei Quellen:

    1. Der seit 1961/62 bestehende Lehrstuhl für Instrumentelle Mathematik von Prof. Dr. W. Knödel bringt seine vorhandene Ausstattung an wissenschaftlichen und technischen Mitarbeitern, an Räumen sowie an den etatisierten Finanzmittel des Landes ein.

    2. Mehrere vom Bundesminister im Rahmen des 2. DV-Programms bzw. des Überregionalen Forschungsprogramms Informatik ab 1972 geförderten Forschungsgruppen werden mit ihrer personellen und sachlichen Ausstattung in das IfI aufgenommen. Zum IfI gehören so

    Jede Gruppe besteht aus drei wissenschaftlichen Mitarbeitern und in der Regel zwei programmiertechnischen Assistent(inn)en; hinzu kommt ein zentrales Sekretariat.

    1. Den drei vom Land Baden-Württemberg neu geschaffenen Lehrstühlen für Theorie der Informatik, für Software und für Hardware mit deren Ausstattung, die ab 1972 zügig besetzt werden können.

    Im Oktober 1972 wird der Lehrstuhl für „Computer Software“ mit Prof. Dr. Erich Neuhold – bisher Forschungsgruppenleiter bei IBM Wien – besetzt.

    Im Februar 1973 beginnt der Lehrstuhl für „Theorie der Informatik“ mit Prof. Dr. Wolfram Schwabhäuser – bisher Professor der Universität Bonn – seine Arbeit.

    Im Frühjahr 1974 startet auch der Lehrstuhl für „Computer Hardware“ mit Prof. Dr. Walter Burkhardt, der zuvor für mehrere US-amerikanische Firmen und Forschungsinstitute tätig war.

    Durch Umwandlung der Stelle eines Forschungsgruppenleiters kann Prof. Dr. Rul Gunzenhäuser, der bisher Professor an der Pädagogischen Hochschule Esslingen war, im Jahre 1973 auf einen zusätzlichen Lehrstuhl gewonnen werden. Er war zuvor schon seit Oktober 1972 als Lehrstuhlvertreter am IfI tätig.

    Die Leitung des Instituts für Informatik wird zunächst von einem kommissarischen Vorstand übernommen: Diesem gehören Prof. Knödel und die damaligen Forschungsgruppenleiter Dr. Hans-Jochen Schneider (als Abteilungsleiter Forschung), Dr. Claus Unger (als Abteilungsleiter Lehre und Studium) und Dr. Joachim Laubsch an.

    Erst am 19. November 1973 findet die erste ordentliche Vorstandssitzung des IfI statt. Unter Vorsitz von Claus Unger wird Professor Erich Neuhold zum Geschäftsführenden Direktor des IfI gewählt. Sein Stellvertreter wird Prof. Wolfram Schwabhäuser.

    Eine solche Wahl ist nach den damaligen gesetzlichen Vorschriften nur gültig, wenn die Professoren insgesamt über die absolute Mehrheit im Vorstand verfügen. Um dieser Forderung zu entsprechen, wurden die Professoren Knödel und Neuhold mit je zwei Stimmen ausgestattet.

    Ein erfreuliches Detail verbirgt sich in TOP 5 der 1. Vorstandssitzung: Vom Sachverständigenausschuss in Bonn werden weitere Forschungsgruppen für die Professoren Neuhold und Schwabhäuser bzw. Erweiterungen der am IfI bestehenden Gruppen empfohlen. Allerdings können letztendlich nicht alle Empfehlungen in den Folgejahren wirklich umgesetzt werden.

    Das Institut für Informatik gehört – wie schon zuvor der Lehrstuhl von Prof. Knödel – mit den beiden Mathematischen Instituten A und B dem damaligen Fachbereich 13 (Mathematik) an.

    Es hat damit keine organisatorische Verbindung zu anderen im Rahmen des 2. DV-Förderungsprogramms installierten Informatik-Forschungsgruppen der Universität Stuttgart, wie z. B. die unter Leitung von Prof. Lotze (Fakultät Elektrotechnik), Prof. Grieger (Luft- und Raumfahrttechnik) und Prof. Roland Rühle (Rechenzentrum der Universität Stuttgart) stehenden Gruppen.

    Gute Kontakte und nicht selten geringe Differenzen gibt es aber bei der jährlichen Verteilung der Etatmittel, die allen Informatikgruppen der Universität Stuttgart vom Bundesminister gemeinsam zufließen.

    Das IfI ist nun im Fachbereich Mathematik für den Diplomstudiengang Informatik und für sämtliche Forschungsaktivitäten in Informatik verantwortlich. So vermehren sich nicht nur die Aufgaben und das Fachpersonal, sondern auch der erforderliche bürokratische Aufwand.

    Auf Vorschlag von Prof. Neuhold kann noch 1974 die Stelle eines akademischen Geschäftsführers des IfI geschaffen und alsbald mit dem Physiker Detlef Martin aus einem Berliner Forschungsinstitut besetzt werden. Herr Martin leitet die Institutsverwaltung bis Mitte 2002.

    Als wissenschaftliche Einheit wird das Institut für Informatik mehr als 30 Jahre bestehen. Im Jahre 1988 trennt sich Prof. Dr. Andreas Reuter mit seinem Lehrstuhl vom IfI und begründet 1989 das neu geschaffene Institut für Parallele und Verteilte Hochleistungsrechner (IPVR). Diese „Scheidung“ erfolgte fast zeitgleich mit der Schaffung der selbständigen Fakultät 14 (Informatik) der Universität Stuttgart, der nun beide Schwesterinstitute – das IfI und das 17 Jahre jüngere IPVR – angehören.

    Im Zuge einer Novellierung des Universitätsgesetzes Baden-Württemberg erfolgt dann zum 30. September 2002 die Auflösung des IfI. Die zu diesem Zeitpunkt vorhandenen neun Lehrstühle des IfI werden auf sechs neu geschaffene Institute verteilt, die nunmehr der Fakultät 5 der Universität Stuttgart mit dem Namen „Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik“ angehören.

    Eine Erinnerung an das IfI bleibt jedoch noch: Die sechs selbständigen Institute des ehemaligen IfI schließen sich ab 1. Oktober 2002 zu einem „Verwaltungsbündnis“ zusammen, dem „Institutsverbund für Informatik“. Für diese Organisation bleibt die gemeinsame Geschäftsleitung und auch das Kürzel „IfI“ erhalten.

    (Prof. Dr. Rul Gunzenhäuser / ts)


     


    Hinweise und Termine

    Näheres unter: http://www.infos.informatik.uni-stuttgart.de

    GI-ACM Regionalgruppe

    Vorträge jeweils am ersten Mittwoch im Monat, siehe http://www.uni-stuttgart.de/External/gi-rg-s/

    Informatik Kolloquium

    Findet dienstags um 17.00 Uhr statt; nähere Informationen unter http://www.informatik.uni-stuttgart.de/kolloquium/

    Informatik-Kontaktmesse

    Am 16.5.2003 ab 10.00 Uhr findet zum ersten Mal die Informatik-Kontaktmesse in den neuen Räumen der Fakultät im Campusgelände der Universität Stuttgart statt. Die Kontaktmesse ist wieder vorwiegend auf IT Unternehmen der näheren Umgebung ausgerichtet.

    Ansprechpartner: Prof. Dr. L. Hieber (infos@informatik.uni-stuttgart.de)

    Arbeitskreis Industriekontakte

    Die nächsten Sitzungen des Arbeitskreises Industriekontakte finden statt am 15.5.03 und am 18.11.03. Mitarbeit ist jederzeit willkommen.

    Ansprechpartner: Prof. Dr. L. Hieber (infos@informatik.uni-stuttgart.de)

    Stuttgarter Informatik

    infos möchte eine Broschüre zur Geschichte der Stuttgarter Informatik publizieren. Nach zwei Sitzungen des entsprechenden infos -Arbeitskreises sind die Vorbereitungen schon recht weit gediehen.

    Ein Teil dieser Broschüre soll aus individuellen Einzelbeiträgen bestehen. Dafür konnte bereits eine Reihe von kompetenten Autorinnen / Autoren gewonnen werden. Schon Anfang Juni sollen die ersten Beiträge vorliegen. Wir möchten nochmals alle infos Mitglieder einladen, an der Broschüre mitzuwirken. Das nächste Treffen des Arbeitskreises findet am 2. Juni 2003 statt. Dazu möchten wir Sie ganz herzlich einladen.

    Ansprechpartner: Prof. Dr. Rul Gunzenhäuser (Rul.Gunzenhaeuser@t-online.de)

    infos Firmen Broschüre

    Die Gründung der neuen Fakultät Informatik, Informationstechnik und Elektrotechnik hat infos zum Anlass genommen mit einer Broschüre über die neue Fakultät zu informieren. Diese Broschüre ist an Mitgliedsfirmen, Studierende und Universitätseinrichtungen verteilt worden. Mehrexemplare sind noch vorrätig.


     

    Impressum

    V.i.S.d.P.
    Vorstand des Informatik Forum Stuttgart e.V. infos:
    Prof. Dr. Ludwig Hieber,
    Dr. Jürgen Dammert,
    Dipl. Inf. Michael Matthiesen

    Redaktionsanschrift
    c/o Universitätstraße 38
    70569 Stuttgart
    Fax über +49 (7 11) 78 16 - 2 20
    infos@informatik.uni-stuttgart.de

    Redaktion, Layout
    Prof. Dr. Ludwig Hieber (lh)
    Dipl.-Inf. Thomas Schlegel (ts)

    Vorläufiger Redaktionsschluss nächste Ausgabe
    03.11.2003

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    Last modified: Wed Nov 17 11:21:37 CET 2004