infos-Zeitung - Jahrgang 5 (2001), Heft 2 16. Oktober 2001

- Offizielle Zeitung des Informatik-Forum Stuttgart e.V. -
Jahrgang 5 (2001), Heft 2

Inhalt

  • 5 Jahre Informatik-Forum Stuttgart: Eine Erfolgsstory
  • Neues aus der Fakultät Informatik
  • Fußball-Wm 2001 der Roboter: Stuttgarter CoPS vorne mit dabei
  • Konfigurationsmanagement kontra Projekt-Wildwuchs
  • Und wo bitte finde ich die Stuttgarter Informatik?
  • Sonderführung durch die Troia Ausstellung
  • Die Praxis lockt - 7. Infos-Firmenkontakt-Messe am 14.11.2001
  • Hinweise und Termine
  • Impressum


  •  

    5 Jahre Informatik-Forum Stuttgart: Eine Erfolgsstory

    Zielgenau mit Erscheinen dieses Hefts begeht heute, am Dienstag 16.10.2001, das Informatik-Forum Stuttgart (infos) mit einer Festveranstaltung seinen fünften Gründungstag. Die Räume der Landesbank Baden-Württemberg bilden dabei den festlichen Rahmen.

    Ein Blick zurück: Am 16. Oktober 1996 gründeten 32 Angehörige und Förderer der Fakultät Informatik in den Räumen der Universität das Informatik-Forum Stuttgart e.V.

    Das Ziel war, die Informatik im Großraum Stuttgart, vor allem an der Universität und in der regionalen IT-Wirtschaft und in der Verwaltung zu fördern. Die vom infos-Gründungs-Vorstand konkretisierten Ziele und Aufgaben sind heute noch die Arbeitsgrundlage von infos:

    Die noch kurze Geschichte von infos stellt heute eine echte "Erfolgs-Story" dar. Mit "im Boot" sind heute über 360 Mitglieder, darunter 100 IT-Firmen, vorwiegend aus dem Raum Stuttgart. Sie alle wirken zusammen, um die Ziele von infos zu verwirklichen.

    Im Kuratorium von infos wirken u.a. Herr Thomas Fischer, Vorstandsmitglied der Landesbank Baden-Württemberg, Herr Herbert Kircher, Geschäftsführer der IBM Entwicklung GmbH und Herr Dr. Eberhard Leibing, Landtagsdirektor, mit.

    Die Schwerpunktaktivitäten von infos in den ersten fünf Jahren waren die Durchführung von Kontaktmessen und Absolventenfeiern, Exkursionen für Studierende zu Firmen, Arbeitskreise wie "Industriekontakte" oder "Evaluierung der Informatikstudiengänge", Preisverleihungen für herausragende Studienleistungen, Förderung der studentischen Fachschaft, Jobbörse sowie Mitgliederversammlungen mit fachlichen oder hochschulpolitischen Vorträgen.

    Wann immer die Informatik Außergewöhnliches plant: Auf die Hilfe von infos kann sie zählen - nicht nur als finanzieller Sponsor.

    Ein weiteres Beispiel: Gerade rechtzeitig zur 5-Jahresfeier des Informatik-Forum Stuttgart e.V., konnte die umfangreiche Broschüre zum Computermuseum der Fakultät Informatik an der Universität Stuttgart fertiggestellt werden.

    Die Broschüre hat das Ziel, die wichtigsten Exponate des Computermuseums vorzustellen. Sie zeigt auch auf, welchen Erfolg die Anstrengungen der letzten Jahre im Zusammentragen historisch bedeutsamer Meilensteine, auf dem Gebiet der noch jungen Geschichte der Informatik gebracht haben.

    Es ist ein Glücksfall, dass Entscheidungsträger der Fakultät Informatik rechzeitig erkannt haben, welche Wirkung die Einrichtung und der Betrieb eines, wenn auch kleinen, so doch feinen Museums auf Studierende und auf die interessierte Öffentlichkeit haben kann.

    Das Informatik-Forum Stuttgart hat das Bemühen um den Aufbau dieser Sammlung nachdrücklich unterstützt. Zudem brachten infos-Mitglieder einige bedeutsame Ausstellungstücke ein.

    Zu wünschen wäre, dass auch weiterhin Freunde der Fakultät und weitere infos-Mitglieder aus Ihrem beruflichen oder privaten Wirkungskreis interessante Stücke für das Museum erkennen und einen Weg finden, die bestehende Sammlung zu bereichern.

    Nahezu alle Exponate wurden mit zum Teil erheblichem Aufwand restauriert: Sie befinden sich in betriebsbereitem Zustand. Vor diesem Hintergrund ist zu hoffen, dass in dem derzeit im Bau befindlichen neuen Informatikgebäude auf dem Universitäts-Campus in Stuttgart-Vaihingen ein würdiger Platz für das Computermuseum gefunden werden kann.

    Bei der Gründung des Informatik-Forum Stuttgart wurde neben den eingangs aufgeführten Zielen auch die mittelfristige Zukunft einbezogen. Die dynamische Weiterentwicklung der Informatik hat bereits bei Formulierung der Gründungsziele erkennen lassen, dass eine Neupositionierung nach dem Erstaufbau notwendig sein wird.

    Die in der jüngsten Zeit in Gang gekommenen Konsolidierungs- und Änderungsprozesse im IT-Bereich sind ein deutliches Zeichen für die Notwendigkeit, die Informatik in Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung besser zu positionieren. Dazu möchte das Informatik-Forum auch künftig seinen Beitrag leisten.

    (Prof. Dr. Ludwig Hieber / ts)

     

    Neues aus der Fakultät Informatik

    Hier drei ergänzende Berichte zum ausführlichen News-Teil in Heft 1:

    Forschungsevaluation Informatik / Informationstechnik

    Der Landesforschungsbeirat des Ministeriums hat eine Forschungsevaluation Informatik / Informationstechnik für die neun Universitäten des Landes Baden-Württemberg in Auftrag gegeben.

    In der Universität Stuttgart wurden hierfür insgesamt 19 Lehrstühle bzw. Institute gemeldet. Dreizehn davon stammen aus der Fakultät Informatik, drei aus der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik. Die Institute für Computeranwendungen und das Rechenzentrum stellen die weiteren Teilnehmer.

    Die Universitätsleitung hat betont, dass sie der Informatik und Informationstechnik eine zentrale Rolle in den kommenden Jahren beimisst. Sie fördert deshalb diesen Bereich nachdrücklich, vor allem durch den Informatik-Neubau.

    Nach unserer Einschätzung ist die Evaluation für die Universität Stuttgart gut abgelaufen. Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis eine schriftliche Stellungnahme vorliegt.

    Um die Forschung auszuweiten, wurde von der Fakultät Informatik mit Nachdruck die Bereitstellung (anfangs mindestens vier) neuer C3-Stellen gefordert. Das ermöglicht es, den wissenschaftlichen Nachwuchs und die Schwerpunktbildung in manchen Bereichen besonders intensiv zu fördern.

    Studierfähigkeitstest

    Der neue Wissenschaftsminister Prof. Frankenberg möchte in den nächsten 4 Jahren erreichen, dass sich die Universitäten ihre Studierenden weitgehend selbst aussuchen können.

    Hierfür sollen Kriterien für die "Studierfähigkeit" in den einzelnen Fächern erarbeitet und eingesetzt werden. In der Informatik beginnt man bereits mit entsprechenden Überlegungen; erste konkrete Vorschläge sind Ende des Wintersemesters zu erwarten.

    Die Vorstufe solcher Verfahren, nämlich die Eignungsfeststellung, wurde bereits im August für die Auswahl von 40% der Bewerber(innen) des aufnahmebeschränkten Informatikstudiums durchgeführt, so dass die Fakultät schon eine gewisse Erfahrung besitzt.

    "Mal kurz schau'n was der Neubau macht"

    Seit Anfang April gibt es eine Web-Kamera, die ständig aktualisiert den Fortschritt des Informatik-Neubaus am Campus dokumentiert. Die Kamera nimmt jede Minute das aktuelle Bild der Baustelle auf und überträgt es auf eine eigene Homepage.

    Von der Idee einer Web-Kamera bis zur Inbetriebnahme vergingen nur vier Wochen. infos finanzierte die Kamera und ermöglichte so die schnelle Inbetriebnahme.

    Die bisher erfolgten ca. 20000 Zugriffe auf diese Seite sprechen eine deutliche Sprache: Das Projekt hat schon jetzt großen Erfolg.

    Nach Abschluss der Bauarbeiten werden voraussichtlich ca. 180000 Bilder archiviert sein. Aus den Einzelbildern kann dann ein Film generiert werden, der den Fortschritt des Neubaus bis zu seiner Fertigstellung im Zeitraffer zeigt.

    Die Bilder sind unter http://neubau.informatik.uni-stuttgart.de zu finden.


     

    Fußball-WM 2001 der Roboter: Stuttgarter CoPS vorne mit dabei

    Das CoPS-Team (Cooperative Soccer Playing Robots) des Lehrstuhls Bildverstehen von Prof. Dr. Paul Levi am Institut für Parallele und Verteilte Höchstleistungsrechner (IPVR) nahm in diesem Jahr an zwei Fußballmeisterschaften teil: Den 1. German Open in Paderborn (wir berichteten schon kurz in Heft 1/2001) und der 5. Weltmeisterschaft in Seattle, USA.

          

    Anfang Juni 2001 fand die 1. German Open in Paderborn statt. Von den zwölf gemeldeten Teams fanden sich jedoch nur neun Mannschaften in Paderborn ein. Unter ihnen waren fünf der sechs deutschen Teams der Middle-Size-League und je ein Team aus Schweden, Portugal, den Niederlanden und Frankreich.

    Das Team RoboSix aus Frankreich zog mangels Spielfähigkeit noch kurz vor Turnierbeginn die Teilnahme zurück. Das CoPS-Team erspielte sich erfolgreich den vierten Platz. (http://ais.gmd.de/GermanOpen)

    Die Weltmeisterschaft

    Vom 2. bis zum 10. August folgte dann die Teilnahme an der 5. Weltmeisterschaft für Fußballroboter in Seattle, USA. Auch hier erreichten die CoPS einen achtenswerten Erfolg!

    Insgesamt 32 Teams hatten sich für die Weltmeisterschaft in der Middle-Size-League vorangemeldet. Von diesen 32 Teams schafften es aber nur noch 18 Teams nach Seattle.

    Die anderen Teams wurden entweder nicht zum Wettbewerb zugelassen oder zogen die Teilnahme mangels Spielfähigkeit, geringer Erfolgschancen oder zu geringer Sponsorengelder wieder zurück. Das CoPS-Team bedankt sich deshalb recht herzlich bei seinen Sponsoren.

    Gespielt wurde in drei Gruppen zu je 6 Mannschaften. Von jeder Gruppe kamen die ersten zwei Teams auf alle Fälle und die zwei besten Drittplatzierten weiter.

    Die CoPS belegten nach dem CS Freiburg, den Trackies (Japan) und Eigen (Japan) einen beachtlichen vierten Platz.

          

    Bemerkenswerterweise befanden sich unter diesen acht Teams vier der fünf deutschen Teams. Deutschland hat also im Fußball noch die Nase vorn - zumindest im Reich der Roboter.

    Es ist alles (nicht) nur ein Spiel

    Ausrichter der Weltmeisterschaft ist die RoboCup Föderation, eine internationale Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik durch Vorgabe eines Standardproblems zu fördern. Dabei sollen etappenweise neue Anforderungen gestellt werden - bis hin zu menschenähnlichen fußballspielenden Robotern.

    Für 2006 plant die RoboCup Föderation die WM in Deutschland zeitgleich zum realen Vorbild stattfinden zu lassen.

    Parallel zur WM fand in Seattle ein internationaler Kongress über künstliche Intelligenz mit einem speziellen Workshop "RoboCup" statt.

    Inzwischen hat auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Schwerpunktprogramm mit Stuttgarter Beteiligung eingerichtet: Der DFG-Schwerpunkt 1125 ("RoboCup") beschäftigt sich mit dem Thema "Kooperierende Teams mobiler Roboter in dynamischen Umgebungen".

    Im Falle des CoPS Teams kommt ein Multi-Agenten-System zum Einsatz, welches auf der sogenannten "CoMRoS"-Architektur beruht.

    In dieser Architektur besteht jeder Roboter aus einer Menge von Elementar-Agenten, die jeweils für ein logisches Sensor-Aktor-Paar verantwortlich sind, wie dies zum Beispiel beim "Pilot" der Fall ist.

    Der Pilot bezieht unter anderem Informationen vom Laserscanner und den Ultraschall-Sensoren, um kollisionsfrei die Fahraufträge des Navigators durchzuführen.

    Es gibt auch Elementar-Agenten, wie zum Beispiel den bereits erwähnten Navigator, die keinen direkten Zugriff auf Hardware besitzen.

    Im Falle des Navigators wird auf das Wissen im Weltmodell zugegriffen. Basierend auf diesem Wissen entscheidet der Navigator dann, welche Aktion als nächstes vom Piloten ausgeführt werden soll.

    Im Rahmen der Weiterentwicklung dieses Multi-Agenten-Systems wird besonders an Kooperationsaspekten, der Planung, der genauen Erkennung von Ball, Tor und Gegner und der exakten Lokalisierung des eigenen Standorts im Zentimeter-Bereich gearbeitet.

    Der Kampf um die nächste Weltmeisterschaft im Roboter-Fußball bleibt also spannend.

    (Schulé / ts)

    Ergebnistabellen und einige Impressionen der German Open in Paderborn und der Weltmeisterschaft in Seattle finden sich unter den folgenden URLs:
    http://www.informatik.uni-stuttgart.de/ipvr/bv/projekte/cops
    http://www.robocup.org
    http://ais.gmd.de/GermanOpen
    http://www.cs.cmu.edu/~robocup2001

    Kontakt:
    Institut für Parallele und Verteilte Höchstleistungsrechner
    Lehrstuhl Bildverstehen (Prof. Dr. P. Levi)
    Reinhard Lafrenz
    Breitwiesenstraße 20-22
    70565 Stuttgart
    Tel.: 0711 / 7816 - 247
    Fax.: 0711 / 7816 - 250
    e-Mail: robocup@informatik.uni-stuttgart.de


     

    Konfigurationsmanagement kontra Projekt-Wildwuchs

    Beitrag der epos Systemhaus GmbH

    Bei der Entwicklung von System- und Anwendungssoftware ist eine methodische Vorgehensweise sowie der Einsatz von CASE-Tools selbstverständlich.

    Zum Einsatz kommen dabei moderne und zukunftsträchtige Software-Architekturen, wie z.B. Client-Server-Konzept, objekt-orientierter Entwurf, graphische Benutzeroberflächen (GUI), ATL-DCOM-Konzepte und Echtzeitbetriebssysteme.

    Bereits bestehende Projekte, sowohl in der Softwareentwicklung als auch im Konfigurationsmanagement, werden durch professionelle Analyse und Risikoabschätzung auf den richtigen Weg gebracht.

    Konfigurationsmanagement kontra Projekt-Wildwuchs

    Je größer ein Softwareprojekt ist, desto wichtiger ist ein gut ausgebautes Konfigurationsmanagement. Das Problem dabei ist nur, dass die meisten Projekte klein anfangen und deshalb der Zeitpunkt der Erkenntnis zu spät kommt.

    Die Folgen sind nicht nur hohe Einführungskosten, sondern auch immer ein Umdenken und Einschränkungen in der Entwicklung.

    Werner Ockert aus der Geschäftsleitung der epos Systemhaus GmbH in Stuttgart nimmt deshalb in diesem Artikel die IT-Realität von Konfigurationsmanagement unter die Lupe.

    Was ist Konfigurationsmanagement?

    Konfigurationsmanagement ist die Sicherstellung der vollständigen Reproduzierbarkeit eines bestimmten Produktes durch die eindeutige Identifizierung aller Teile und Umstände, die zu dem Produkt geführt haben.

    Diese Aussage fasst den Kern des Konfigurationsmanagement allgemeingültig zusammen. Zum einen muss genau bekannt sein, aus welchen Bestandteilen ein Produkt gefertigt wurde. Zum anderen müssen auch die genauen Umstände und die Umgebung bekannt sein.

    Woher kommt Konfigurationsmanagement?

    Der Begriff Konfigurationsmanagement, der heute überwiegend mit der Softwareentwicklung in Zusammenhang gebracht wird, kommt ursprünglich aus der Hardwareentwicklung.

    Man erkannte dort schnell, dass die Herstellung z.B. von komplexen Platinen mit Tausenden von verschiedenen elektronischen Bauelementen einer genauen Verfolgbarkeit bedarf.

    Obwohl das Produkt immer gleich hergestellt wurde, bestand doch jede Platine aus leicht unterschiedlichen Bauelementen.

    Trat nun beim Kunde ein Fehler auf, war es wichtig, genau zu wissen, aus welchen Bauteilen diese Platine und die ganze Charge gefertigt wurden. Man musste sich also die Konfiguration jeder einzelnen Platine "merken".

    Die Schwierigkeit hierbei lag darin, dass sich die Konfiguration, also die Anzahl und die Art der Bauteile, über die Zeit änderte. Es gab folglich mehrere Versionen von der gleichen Platine.

    Dies ist auch die Grundlage des Konfigurationsmanagement im IT-Bereich. Allerdings muss ein Softwareprodukt immer wieder reproduzierbar sein, z.B. wenn Fehler auftreten oder Änderungen nötig werden.

    Wer braucht Konfigurationsmanagement?

    Wer schon einmal selbst Software entwickelt hat weiß sicher noch wie froh er oft war, wenn nach einer erfolglosen Änderung der Zugriff auf einen alten Stand möglich war.

    Deshalb fing man auch an, die Stände vor einer Änderung zu kopieren und mit einem Datum zu versehen. Dies hatte auch den Vorteil, dass ein Fehler in einem weitergegebenen Stand eindeutig identifiziert und behoben werden konnte, ohne dem Kunden neue Funktionalität und damit zwangsläufig auch neue Fehler unterzuschieben.

    Diese Vorgehensweise fällt bereits unter den Begriff Konfigurationsmanagement. Spätestens wenn ein zweiter Entwickler zu einem Projekt hinzugezogen wird, müssen geänderte Quellen sowohl beiden zugänglich gemacht werden, als auch sichergestellt werden, dass nicht gleichzeitig dieselbe Datei bearbeitet wird.

    Meist bekommt ein Entwickler dann die Aufgabe, diesen Service neben der eigentlichen Arbeit zu machen. Das ist der Augenblick, den er später bereuen wird.

    Die Erfahrung hat gezeigt, dass das Konfigurationsmanagement ca. 10% der Kapazität eines Entwicklerteams beansprucht. Das heißt, dass schon ab einem zehnköpfigen Entwicklerteam ein Vollzeitkonfigurationsmanager benötigt wird.

    Konfigurationsmanagement in der IT-Realität!

    Das Konfigurationsmanagement besteht in der IT-Realität nicht nur daraus, ein Produkt reproduzierbar zu machen.

    Vor allem Aspekte wie das Finden von Organisationseinheiten, das Festlegen von Namenskonventionen, Definieren von Verzeichnisstrukturen, Überwachen von Versionsabhängigkeiten, Setup-Bau, Automatisieren des Buildprozesses durch Skripte, Verwalten von Schnittstellenobjekten etc. entpuppen sich als zeitintensiv. Dabei setzt meist das eine das andere voraus.

    Am Anfang steht das Aufsetzen einer geeigneten Versionierungsdatenbank (Repository) zur Verwaltung der Quelldateien.

    Das Repository unterstützt Checkout/Checkin-Mechanismen, um zu vermeiden, dass zwei Entwickler zur gleichen Zeit an der selben Datei arbeiten.

    Des weiteren können die Versionen (Revisions) der Quelldateien, die zu einem bestimmten Stand der Software geführt haben, mit einem "Label" gekennzeichnet werden. Nur so kann der Stand später anhand des Labels reproduziert werden.

    Schon beim Aufsetzen der Versionierungsdatenbank müssen die Organisationseinheiten bekannt sein. Sind sie doch die Grundbausteine der Verzeichnisstrukturen, die sich in der Versionierungsdatenbank wiederfinden. Dies ist wiederum nur möglich, wenn die Namenskonventionen definiert sind...

    Das Repository ermöglicht für alle einen geregelten Datenzugriff sowie ein geregeltes Changemanagement und sichert die Nachverfolgbarkeit von Änderungen. Ein neues Produkt ist damit allerdings noch lange nicht entstanden.

    Es müssen nun zu fest vereinbarten Zeiten die geänderten Quellen vom Konfigurationsmanagement abgeholt, mit einem Label markiert, und die Zieldateien (Targets: DLL, EXE, OCX...) generiert werden.

    Um die Targets in einer lauffähigen Form auf den PC des Kunden installieren zu können, muss noch ein Setup erzeugt werden. Allein diese Tätigkeit stellt in der Praxis eine Wissenschaft für sich dar.

    Automatisiertung. Unschwer zu verstehen ist, dass der Prozess vom Abholen der Quellen bis zum fertigen Setup nicht manuell durchgeführt werden kann. Zur Automatisierung dieses Prozesses kommen deshalb Skriptsprachen wie Perl und Windows Scripting Host zum Einsatz.

    Wichtig in diesem Prozess ist auch, dass die ausgewählte Version des Produktes automatisch an alle vorgesehenen Stellen weitergereicht wird.

    Beispielsweise sind dies Versionsheader und Visual-Basic-Projektdateien, die für die Versionskodierung der Targets verantwortlich sind.

    Ein Softwareprodukt kommt selten allein. Nicht jeder Kunde benötigt alle Funktionen. Aus diesem Grund unterteilt man das Softwareprodukt in mehrere kleine Produkte.

    Jedes dieser Softwareprodukte erfordert sein eigenes Konfigurationsmanagement. Somit entsteht für jedes kleine Produkt der komplette Aufwand erneut.

    Unweigerlich ergeben sich dabei Abhängigkeiten zwischen den Produkten und somit ein Austausch von Schnittstellenobjekten. Auch die Regelung dieses Austausch ist von Anfang an Aufgabe des Konfigurationsmanagement.

    Medien. Das Sichern der Umstände, die zu einem Produkt führen, ist das eine. Überlegungen, die Hardware mitzusichern, das andere.

    Im IT-Bereich sind diese Umstände beispielsweise das Betriebsystem, der Compiler, Erzeugungsskripte, Kopierwerkzeuge etc., also alle Applikationen, die benötigt wurden, um die Software zu erstellen.

    Handelt es sich um eine installierbare Applikation wie z.B. das Microsoft Visual Studio, so muss sowohl der vollzogene Installationsvorgang beschrieben als auch das Installationsmedium mit in das Konfigurations-Repository aufgenommen werden.

    Der Ausdruck "Installationsmedium" wurde bewusst gewählt, denn Medienstandards ändern sich von Zeit zu Zeit.

    War es gestern noch die Diskette, sind es heute CD und DVD. Morgen werden es vielleicht schon kleine Chips mit großer Speicherkapazität sein.

    Hier wird deutlich, dass bei Medienwechseln alle Daten auf die neuen Datenträger überspielt werden müssen.

    Das verlangt natürlich nach übergeordneten Backup-Systemen, mit denen man zu jeder Zeit in der Lage ist, Daten auf beliebigen Datenträgern zur Verfügung zu stellen.

    Konfigurationsmanagement begeleitet die Applikation also ein "Softwareleben" lang.

    (Epos Systemhaus GmbH, Werner Ocker / ts)

    Epos kurz vorgestellt:

    Die epos Systemhaus GmbH ist ein unabhängiges Beratungs- und Softwarehaus mit Hauptsitz in Stuttgart und einer Niederlassung in Hamburg.

    Sie arbeitet seit einigen Jahren erfolgreich mit namhaften Unternehmen verschiedenster Branchen aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen.

    Dabei umfasst ihr Angebot hochqualifizierte Beratung, Entwicklung, Betreuung und Service im IT-Umfeld. Das Leistungsspektrum reicht von der Einführung neuer Technologien und Tools bis zur Definition und Umsetzung maßgeschneiderter Prozesse und Strukturen. (ts)


     

    Und wo bitte finde ich die Stuttgarter Informatik?

    Erinnerungen an frühere Standorte (Teil 2)

    Um 1955 war das Institutsgebäude Azenbergstraße 12 für den Fachbereich Physik erbaut worden. Mit dem Umzug in dieses Gebäude und zusammen mit der exklusiven Nutzung des Gebäudes Herdweg 51 fand das Institut für Informatik eine Bleibe im Universitätsgebiet Azenberg. Diese sollte ab Sommer 1976 von längerer Dauer sein, da die anderen - provisorisch genutzten - Standorte zu diesem Zeitpunkt aufgegeben werden konnten.

    Mit über 2.500 m² Nutzfläche war die Informatik nun gut versorgt. Kurz vor dem Umzug wurde das Institut für Informatik reorganisiert: Es gab zunächst sechs Abteilungen. Deren Zahl vergrößerte sich aber in der folgenden Zeit sukzessive.

    Azenbergstraße 12

    Im dritten Obergeschoss befand sich die Abteilung Anwendersoftware (bis 1984 Prof. E. J. Neuhold, dann Prof. A. Reuter) und die Informatik-Geschäftsleitung (Herr D. Martin); später kamen die Abteilungen Programmiersprachen (Prof. G. Barth) und Software-Engineering (Prof. J. Ludewig) dazu.

    Im zweiten Obergeschoss waren die theoretische Informatik (bis 1985 Prof. W. Schwabhäuser) und die Betriebssoftware (Prof. K. Lagally) untergebracht.

    Das 1. OG belebten die Abteilungen für Kombinatorik und numerische Verfahren (Prof. W. Knödel) und für Dialogsysteme (Prof. R. Gunzenhäuser). Mit ihren Labors und den Informatik-Praktika konnte die Hardware-Abteilung (Prof. W. Burkhardt) das ganze Erdgeschoss füllen.

    Im Untergeschoss war die Informatik-Bibliothek großzügig untergebracht. Dort befanden sich auch größere Technik- und Terminalräume.

    Neben zwei größeren Seminarräumen standen auf allen Geschossen Besprechungs- und Technikräume zur Verfügung; das Foyer im 3. OG diente auch als "Lounge" für soziale Zusammenkünfte.

    Herdweg 51: Die "Technikwelt"

    Herdweg 51 repräsentierte das Reich der Technik. Dort waren die Rechnerbetriebsgruppe mit dem damaligen Leiter Dr. R. Böhm ebenso zu finden wie klimatisierte Räume für den Großrechner TR 440 und seine Nachfolgersysteme wie z.B. die VAX-Rechner der Herstellerfirma Digital Equipment (DEC) oder die LISP-Maschinen der Firma Symbolics.

    Eine Werkstatt sowie Klima- und Notstromaggregate füllten das Untergeschoss; im Erdgeschoss waren hingegen der Informatik-Hörsaal mit etwa 60 Plätzen und Räume für die Bediengeräte untergebracht. Bei den Bediengeräten handelte es sich zunächst um Terminals, später ergänzt durch vernetzbare Personal Computer.

    Der sogenannte "Anbau" mit Blick auf den gepflegten Garten war als Arbeitsort besonders beliebt. Dort siedelten sich die Forschungsgruppen der Abteilungen Anwendersoftware und Dialogsysteme an.

    Gute Betreuung war einem in beiden Gebäuden sicher: In der Azenbergstraße sorgte Herr Wagner als Hausmeister für Ordnung, im Herdweg Herr Klenner und später Frau Kutzler.

    Auch die Umgebung war (er-)lebenswert: Ein Supermarkt, ein Feinkostgeschäft, zwei Bäckereien, eine Apotheke, eine Reinigungsannahme und eine Filiale der örtlichen Sparkasse säumten den Umkreis.

    Zum Universitätszentrum und zur Mensa waren es nur 10 Minuten zu Fuß. Wer auf den Fußweg verzichtete, konnte die Buslinie 43 mit 10-Minuten-Takt benutzen.

    Hörsäle

    Obwohl die Informatik nur einen einzigen Hörsaal besaß, mussten Dozenten und Studierenden keine großen Wege zurücklegen: Der ehemalige Chemie-Hörsaal in der Azenbergstraße 18 (340 Plätze) und ein ehemaliger Physik-Hörsaal in derWiederholdstraße 13 (70 Plätze) wurden für die Informatik reserviert.

    Sie konnte zudem - wenn auch zunächst nur "schichtweise" - den Großen Physik-Hörsaal im Gebäude Azenbergstraße 12 (mehr als 500 Plätze) für sämtliche Grundvorlesungen nutzen.

    In diesem Hörsaal wurden auch die Feste gefeiert, z.B. das 10-jährige Bestehen der Informatik (1982), die Inbetriebnahme der drei VAX-Rechnersysteme (1983) und die Gründung der Fakultät Informatik (1988).

    Forststraße: Neuer Schwung

    Mitte der 80er-Jahre erlebte die Stuttgarter Informatik einen erfreulichen Aufschwung.

    Im Rahmen ihres Ausbaus wurden neue Lehrstühle und Forschungsgruppen eingerichtet; auch die Zahl der Studierenden im Diplomstudiengang Informatik und in den angebotenen Grundlagen- und Nebenfächern nahm beträchtlich zu.

    Die neue Abteilung Intelligente Systeme (Prof. E. Lehmann) zog von Anfang an in ein Geschäftshaus in der Forststraße; dort arbeitete für kurze Zeit auch die damals im Aufbau befindliche Abteilung Verteilte Systeme (Prof. K. Rothermel).

    Prof. U. Baitinger und seine Gruppe konnten im Herdweg nur noch notdürftig untergebracht werden. Für weitere drei in Besetzung befindliche Professuren war dann aber beim besten Willen kein Platz mehr.

    Übergangslösung Breitwiesenstraße 20-22

    Mehrere Versuche, zusätzliche Büro- und Geschäftsräume im Gebiet des Azenbergs anzumieten oder das Land Baden-Württemberg zu einem Neubau zu veranlassen, scheiterten - zumeist aus finanziellen Gründen.

    Selbst für das 1988 neu eingerichtete zweite Informatikinstitut, das gut ausgestattete IPVR, waren keine Räume vorhanden.

    Um auch die Öffentlichkeit auf diesen Notstand aufmerksam zu machen, errichteten Professoren und die Fachschaft im "Vorgarten" des Gebäudes Azenbergstraße 12 ein Zelt. Dort hielt unter anderem auch Prof. A. Reuter Lehrveranstaltungen ab.

    So war es dann auch Prof. Reuter, der eine Anregung umsetzte, ein bisher von der Firma IBM-Deutschland GmbH gemietetes Bürogebäude im Industriegebiet Stuttgart-Möhringen für zehn Jahre anzumieten.

    Der Gebäudeeigentümer, eine Stuttgarter Aktiengesellschaft, erklärte sich bereit, das für den Bedarf der Informatik zu kleine Gebäude um ein weiteres (zweites) Obergeschoss aufzustocken und bisherige Technikräume für eine Nutzung als Hörsäle und Labors vorzubereiten.

    Diese Baumaßnahmen erfolgten im Jahre 1990, so dass zu Beginn des Sommersemesters 1991 der Umzug in die Breitwiesenstraße 20-22 erfolgen konnte.

    Die Stuttgarter Informatik war damit erstmals unter einem Dach vereint. Das Gebäude mit fast 10.000 m² konnte nun alle Abteilungen, auch die drei neuen von Prof. D. Roller, Prof. P. Levi und Prof. E. Plödereder aufnehmen.

    Der einzige erhebliche Nachteil war, dass das Informatikgebäude sehr weit von den beiden Universitätszentren entfernt lag. Dieses Problem erwies sich aber bald als gravierend für das universitäre (Zusammen-)Leben der Studierenden und der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

    Ein Neubau nur für die Informatik

    Glücklicherweise konnten im März 2001 die Bauarbeiten für den Informatikneubau direkt auf dem Campus in Stuttgart-Vaihingen beginnen. Es handelt sich um das erste Gebäude, das speziell für die Stuttgarter Informatik entworfen und errichtet wird.

    Mit dem Einzug - voraussichtlich im Sommer 2003 - geht nun ein über dreißigjähriger Wunsch der Stuttgarter Informatikerinnen und Informatiker nach einem eigenen, zentral gelegenen Institutsgebäude in Erfüllung.

    (Prof. Dr. Gunzenhäuser / ts)

     

    Sonderführung durch die Troia Ausstellung für infos-Mitglieder

    Lange Warteschlangen vor der Troia Ausstellung in den Räumen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) signalisierten bereits kurz nach dem Start der Ausstellung eine große Nachfrage.

    Selbst an Werktagen wuchsen die Wartezeiten so stark an, dass es häufig zu Beschwerden vor der Ausstellung und in der Tagespresse kam.

    Zur Freude vieler infos-Mitglieder konnte über die langjährigen Kontakte zur LBBW eine der wenigen möglichen Sonderführungen für den 11.6.2001 vereinbart werden.

    Kurze Zeit nach der Mitteilung an die infos-Mitglieder war der Termin ausgebucht. Wir sind der LBBW besonders dankbar, dass daraufhin die Führung auf zwei Gruppen ausgedehnt werden konnte.

    Leider konnten trotzdem nicht alle Wünsche nach Karten erfüllt werden. Wir bedauern dies sehr.

    Teilnehmer der Sonderführung waren voll des Lobes über die qualifizierte Führung und nutzten gerne danach die Möglichkeit, abseits des Besuchertrubels einzelne Exponate ausführlich zu besichtigen und deren Dokumentation nachzuvollziehen.

    Bisher ist wohl noch keine infos- Veranstaltung mit so viel Lob bedacht worden. Wir geben die Anerkennung gerne an die LBBW weiter und bedanken uns sehr herzlich für die großzügige Unterstützung.

    (Prof. Dr. L. Hieber / lh)

     

    Ankündigung:
    Die Praxis lockt - 7. infos-Firmenkontaktmesse am 14.11.2001

    Die bei Studenten und Firmen gleichermaßen beliebte infos-Kontaktmesse findet am Mittwoch, den 14.11.2001, wieder in der Fakultät Informatik statt. Es handelt sich bereits um die siebte Veranstaltung dieser Art.

    Ziel ist es, Industrie, Fakultät und Studierenden Gelegenheit zur Stärkung der Beziehungen zwischen Wissenschaft und Praxis zu bieten.

    Auch in diesem Jahr findet parallel hierzu der "Uni-Tag" statt. Es werden also nachmittags einige hundert Schüler(innen) die Kontaktmesse in Augenschein nehmen können. Diese können sich dabei schon einmal über Praktika und Berufsaussichten informieren.

    (Prof. Dr. Hieber / ts)

     

    Hinweise

    GI-ACM Regionalgruppe

    Vorträge jeweils am ersten Mittwoch im Monat, siehe www.uni-stuttgart.de/External/gi-rg-s/

    Informatik Kolloquium

    Findet dienstags um 17.00 Uhr statt; nähere Informationen unter www.informatik.uni-stuttgart.de/kolloquium/

    Arbeitskreis Industriekontakte

    Die nächste Sitzung des Arbeitskreises Industriekontakte findet am Dienstag 13.11.2001 statt. Mitarbeit ist jederzeit willkommen.

    Ansprechpartner: Prof. Dr. Hieber.

    7. Infos-Firmenkontaktmesse am 14.11.2001

    Nähere Informationen siehe Artikel "Ankündigung: Die Praxis lockt - 7. infos-Firmenkontaktmesse am 14.11.2001"

    Nikolausvorlesung

    Am 5. Dezember findet die schon traditionelle Nikolausvorlesung statt. Anschließend lädt infos Freunde und Mitglieder zum infos-Stammtisch ein.


    Impressum

    V.i.S.d.P.
    Vorstand des Informatik Forum Stuttgart e.V. infos:
    Prof. Dr. Ludwig Hieber,
    Dr. Jürgen Dammert,
    Dipl. Inf. Michael Matthiesen

    Redaktionsanschrift
    c/o Breitwiesenstraße 20-22
    70565 Stuttgart
    Fax über +49 (7 11) 78 16 - 2 20
    infos@informatik.uni-stuttgart.de

    Redaktion, Layout
    Prof. Dr. Ludwig Hieber (lh)
    Thomas Schlegel (ts)

    Vorläufiger Redaktionsschluss nächste Ausgabe
    5.2.2002

    WWW-Impressum
    Last modified: Wed Nov 17 11:20:43 CET 2004