infos-Zeitung - Jahrgang 5 (2001), Heft 1 12. Juli 2001

- Offizielle Zeitung des Informatik-Forum Stuttgart e.V. -
Jahrgang 5 (2001), Heft 1

Inhalt

  • Neues aus der Fakultät Informatik
  • Alles neu macht der Mai: Informatik-Neubau
  • Krönender Abschluss für den Absolventenjahrgang 2000 am 18.5.2001
  • Deutsche Roboter-Fußballmeisterschaft in Paderborn
  • STADUS: Ein Forum für Softwaretechniker
  • Und wo bitte finde ich die Stuttgarter Informatik?
  • Parade der Software-Pioniere
  • Ankündigung: Nächste Firmenkontaktmesse am 14.11.2001
  • Hinweise
  • Impressum


  •  

    Neues aus der Fakultät Informatik

    Herzlich willkommen!

    ... heißt die Fakultät Herrn Prof. Dr. H.-J. Bungartz von der Universität Augsburg, der im Mai 2001 den Ruf auf den Lehrstuhl "Simulation großer Systeme" angenommen hat. Er wird sich ab August 01 in der Breitwiesenstraße einrichten. Mit seinen ersten Vorlesungen wird er schon im Oktober in Stuttgart beginnen.

    Herzlichen Glückwunsch!

    Der Gründer der Stuttgarter Informatik, Prof. Dr. Walter Knödel ist 75 geworden! Die Fakultät und infos wünscht ihm alles Gute und weiterhin beste Gesundheit.

    Neue Professuren an der Fakultät

    In den vergangen 15 Monaten kamen drei neue Professuren an die Fakultät Informatik. Diese sind:

    Die Zahl der Professuren an der Fakultät Informatik hat sich damit auf nunmehr 18 erhöht.

    Neustrukturierung der Fakultäten

    Das neue Universitätsgesetz schreibt vor, dass eine Fakultät mindestens 20 Professuren haben muss. Diese unsinnige und willkürliche Vorgabe des Gesetzgebers wird voraussichtlich das Ende der Fakultät Informatik in Stuttgart bedeuten, während die Schwesterfakultät in Karlsruhe weiter bestehen bleibt.

    Auch die Fakultät "Elektro- und Informationstechnik" in Stuttgart kann die für eine Selbständigkeit erforderlichen 20 Professuren nicht erreichen. Die beiden Fakultäten werden daher eine neue, gemeinsame Fakultät im Bereich der Informationstechnologien gründen.

    Weitere Lehr- und Forschungsbereiche der Universität sind eingeladen, Mitglied in dieser neuen Fakultät zu werden.

    Die Neustrukturierung wird im Wintersemester von den Gremien der Universität beschlossen werden und zum 1. Oktober 2002 in Kraft treten.

    Neuer Bachelor-Studiengang Wirtschaftsinformatik

    Im Wintersemester 2001/02 soll der deutschsprachige Bachelor-Studiengang Wirtschaftsinformatik starten, an dem sich die betriebswirtschaftlichen Institute und die Fakultät Informatik der Universität Stuttgart sowie die Fakultät V (Wirtschafts- und Sozialwissenschaften) der Universität Hohenheim beteiligen.

    Das Studium beruht auf einem "Drei-Säulen-Konzept": Informatik, BWL und Wirtschaftsinformatik werden innerhalb von drei Jahren gleichberechtigt gelehrt und erlauben einen nahtlosen Übergang zu vorhandenen Diplomstudiengängen.

    Eine Besonderheit ist das einjährige Studienprojekt. Es umfasst das Training beruflicher Fähigkeiten, wissenschaftliche Vorgehensweise und eine Abschlussarbeit im Rahmen einer umfangreichen Dokumentation.

    Der neue Studiengang ist ein waschechtes "Joint Venture" zweier unabhängiger Universitäten: Das Studium wird von einem gemeinsamen Ausschuss der beiden Universitäten verantwortet.

    Anfängerzahlen

    Die Fakultät Informatik avancierte im vergangenen Wintersemester zur am höchsten belasteten Fakultät der Universität Stuttgart.

    Damit einhergehend wurde der Diplomstudiengang Informatik erstmals zum nachgefragtesten Studiengang der Universität überhaupt.

    Zu den rekordverdächtigen 422 Diplom-Erstsemestern (davon 338 Informatik und 84 Softwaretechnik) kamen im vergangenen Wintersemester noch 46 Studierende im Masterstudiengang Information Technology sowie diverse Magister, Lehramts- und Nebenfachstudierende hinzu.

    Zulassungsbeschränkung

    Es verwundert daher kaum mehr, dass im kommenden Wintersemester Hochrechnungen zufolge eine Erstsemesterzahl von deutlich über 500 drohte.

    Die Fakultät hätte Computerräume, Grundvorlesungen und andere Veranstaltungen auf den Campus in Vaihingen verlegen müssen.

    Nun hat das zuständige Ministerium einem Numerus clausus (NC) zugestimmt:

    StudiengangErstsemester
    Informatik (Diplom)195
    Softwaretechnik (Diplom)85
    Information Technology (MSc)50
    Wirtschafts-informatik (BSc)60
    Lehramt und Magister15
    Tab. 1: NCs für die einzelnen Studiengänge (Anzahl der zuzulassenden Studenten).

    In der Grundlagenvorlesung werden daher im Wintersemester 2001/02 daher "nur" 400 Studenten und Studentinnen sitzen, so dass die verbleibenden 18 Monate bis zum Umzug in den Neubau noch im alten Gebäude in der Breitwiesenstraße abgewickelt werden können.


     

    Alles neu macht der Mai: Informatik-Neubau

    Die Grundsteinlegung für den Neubau der Informatik erfolgte auf dem Campusgelände am Pfaffenwald (Stuttgart-Vaihingen) unmittelbar an der S-Bahnstation schon am 23. Mai dieses Jahres.

    Der Neubau wird ein Volumen vergleichbar mit 85 Eigenheimen umfassen, etwas über 7000 qm Hauptnutzfläche besitzen und drei Stockwerke hoch sein. Die Höhe ist begrenzt, da das Gebäude auf dem zugeschütteten S-Bahntunnel steht und deshalb nicht zu schwer werden darf.

    Die Fakultät hat im Grundstein neben den gängigen Broschüren 33 sehr lang haltbare Fotos hinterlegt. 10 dieser Fotos zeigen Szenen der Fakultätsgründung aus dem Jahre 1988 und zwei sind gut gelungene "Massenaufnahmen" der Fakultät. Die restlichen Fotos stammen von der Absolventenfeier am 18.5.2001.

    Durch die Auswahl der Broschüren ist aber sicher gestellt, dass alle Angestellten der Fakultät im Grundstein verewigt sind. Deren Urururenkel können also später einmal ihre Vorfahren auf den Bildern identifizieren. Auch über infos sind wichtige Dokumente im Grundstein hinterlegt.

    Geben Sie dieses Wissen bitte innerhalb Ihrer Familien weiter, damit die Öffnung des Grundsteins beim Abriss zugunsten des nächsten Neubaus, möglicherweise in 170 Jahren, zum Großereignis bei den Nachkommen der heutigen Informatik-Mannschaft wird!

    Der Neubau wird in der lokalen Presse gerne unter der Überschrift "Anlieger befürchten Zunahme beim wilden Parken" vorgestellt, da der zentrale Parkplatz der Universität unserem Neubau weichen musste.

    Doch die Universitätsleitung hat die Informatik bereits jetzt als "zum Zentrum der Universität gehörig" empfangen und die künftige zentrale Lage betont.

    Vogelperspektive: Neubau im Netz

    Den Fortschritt am Neubau können Sie über eine Web-Kamera im Netz jederzeit beobachten: http://neubau.informatik.uni-stuttgart.de

    Wer einen virtuellen Rundgang durch das Informatikgebäude in der Breitwiesenstraße machen möchte, findet unter http://wwwvis.informatik.uni-stuttgart.de/museum den richtigen Einstieg.

    Auch über die Homepage der Fakultät lassen sich diese Bilder dank Fachschaft, infos und dem Lehrstuhl Visualisierung erreichen.


     

    Krönender Abschluss für den Absolventenjahrgang 2000 am 18.5.2001

    Im Jahr 2001 hat die Fakultät ihre Absolvent(inn)en wieder einmal mit einer eindrucksvollen Abschlussfeier verabschiedet.

    Die Festansprache hielt Dr. Rainer Eggensperger (Mitglied des Vorstands der Bechtle AG, Heilbronn), der selbst einmal ein Doktorand der Stuttgarter Informatik war. Einen kurzen und sehr anschaulichen Forschungsvortrag hielt Prof. Ertl, gefolgt von einem Blick in die Zukunft, der den Interessierten von Prof. Claus ermöglicht wurde.

    Der Studiendekan Prof. Baitinger überreichte den Absolvent(inn)en die Diplomurkunden. Fünf Preise für die besten Diplome und einen für die beste Promotion im Wert von insgesamt 4000 DM überreichte der infos-Vorsitzende Prof. Hieber.

    Herr Dr. Haug übergab außerdem mit jeweils 6000 Euro pro Jahr dotierte Stipendien der Firma sd&m an Studierende.

    Ein weiterer Höhepunkt war die Ehrung des ersten deutschen Universitätsabsolventen des Studiengangs Softwaretechnik, Herrn Claus Möhrle. Er erhielt nach einer Laudatio vom Studiendekan Softwaretechnik, Prof. Ludewig, einen Preis.

    Über den Beitritt dieses ersten Softwaretechnikers zur neu gegründeten Softwaretechniker-Gruppe von infos (STADUS) freuen wir uns natürlich sehr.

    Für ein rundum spannendes und angenehmes Programm war gesorgt: Musik von Bläsern des akademischen Orchesters, Imbiss, Getränke und eine Show der Fachschaft Informatik und Softwaretechnik werden den Anwesenden sicher lange in Erinnerung bleiben. Unter http://www.informatik.uni-stuttgart.de/af2001/abs_bilder1.html können Sie die Feier noch einmal Revue passieren lassen.


     

    Deutsche Roboter-Fußballmeisterschaft in Paderborn

    Die Stuttgarter Roboterfußballer erreichten nur einen durchschnittlichen Platz bei den diesjährigen deutschen Meisterschaften.

    Wenn der Trend anhält, muss irgendwann mit einem Abstieg in die Kreisliga gerechnet werden. Erste Rufe nach der Entlassung des Trainers, Prof. Levi, wurden bereits laut. Der Fakultätsvorstand ließ jedoch mitteilen, dass er fest hinter dem Trainer stehe.

    Schon gar nicht wolle man einen Wechsel unmittelbar vor der Robo-Cup-Weltmeisterschaft Anfang August in Seattle.


     

    STADUS: Ein Forum für Softwaretechniker

    Nach neuneinhalb Semestern Studiengang Softwaretechnik sind viele der Softwaretechnikstudenten des ersten Jahrgangs gerade dabei, ihr Studium zu beenden. Jetzt geht alles ganz schnell: Abgabe der Diplomarbeit, Exmatrikulation, Jobsuche - und dann endlich der erste Arbeitsplatz. Viele neue Eindrücke machen die Hochschule schnell vergessen.

    Erst nach einiger Zeit alltäglicher Arbeit stellen sich meist die Erinnerungen wieder ein. So manche lange Vorlesung und kurzweilige Pause zieht dann im Geiste vorüber.

    Und Fragen tauchen auf: Was macht eigentlich dieser oder jene inzwischen? Wie war das nochmal mit COCOMO? Und ob der Umzug der Fakultät Informatik wohl gut geklappt hat?

    Die Antworten bleiben aus, denn der Kontakt ist verloren. - Nicht unbedingt!

    Eine neue infos-Gruppe entsteht

    Pünktlich zur diesjährigen Absolventenfeier im Mai 2001 hat infos die Untergruppe STADUS (Softwaretechnik-Absolventen der Universität Stuttgart) gegründet - gerade rechtzeitig, um den ersten in Stuttgart frisch gebackenen Softwaretechniker Claus Möhrle in STADUS begrüßen zu können.

    STADUS richtet sich an die Studierenden und speziell die Absolventen der Softwaretechnik, die sich nach dem Studium in alle Winde zerstreuen werden. Die Verankerung in STADUS bildet deshalb ein Netzwerk, das sich sowohl länder- als auch unternehmensweit ausbreiten wird.

    Neue Perspektiven

    Daraus ergeben sich interessante Perspektiven für die Mitglieder: Sie profitieren vom fachlichen Austausch und kontinuierlicher Weiterbildung. Der Kontakt zwischen Industrie und Hochschule gibt gegenseitige Impulse und sensibilisiert für die jeweiligen Bedürfnisse.

    Neben dem Kontakt innerhalb eines Jahrgangs, z. B. zur Pflege gemeinsamer Erinnerungen, bietet der Kontakt zwischen den Jahrgängen neue Chancen.

    Besonders interessant ist dabei der Austausch zwischen Absolventen und Noch-Studierenden, die wir natürlich ebenfalls gerne als Mitglieder begrüßen. Das gemeinsame Grundverständnis für den Studiengang erleichtert Aktivitäten wie Exkursionen, Fachstudien, Projektarbeit usw.

    Natürlich können diese Ideen nur mit der Zeit verwirklicht werden. Mit einer wachsenden Zahl von STADUS Mitgliedern steigen auch die Möglichkeiten.

    Um den Kontakt nach dem Studium nicht abreißen zu lassen, wollen wir das Interesse daran schon jetzt wecken und STADUS bekannt machen. Die Teilnahme ist ganz einfach: Wer Mitglied bei infos e.V. UND Absolvent des Studiengangs Softwaretechnik ist wird automatisch als zu STADUS zugehörig gezählt.

    infos-Aktion

    Der Vorstand von infos möchte über eine Sonderregelung den Eintritt noch schmackhafter machen: Wer bereits als Studierender infos beitritt (ausschlaggebend ist das Datum der Absolventenfeier), steuert bis drei Jahre nach dem Studium nur den Studententarif für die Mitgliedschaft bei: Zur Zeit 10 DM pro Jahr als Studierender, anstatt regulär 30 DM pro Jahr.

    Um die Zugehörigkeit zu STADUS erkennen zu können, ist eine entsprechende Angabe auf dem Beitrittsformular unter http://www.infos.informatik.uni-stuttgart.de/mitgliedsantrag.html wichtig, zum Beispiel der Vermerk "STADUS".

    Die (nicht-digitale) Unterschrift wird immer noch benötigt. Daher muss das ausgefüllte Formular nach wie vor herkömmlich übermittelt werden, zum Beispiel persönlich an einen der untenstehenden Ansprechpartner.

    Eine Online-Anmeldung ist aus dem selben Grund leider vorerst nicht möglich. Wir bitten alle Softwaretechniker, die bereits Mitglied bei infos sind, ohne sich als Softwaretechnik-Studierende oder ST-Absolventen zu erkennen gegeben zu haben, uns kurz per Mail diese Zugehörigkeit mitzuteilen.

    Aller Anfang ist schwer...

    STADUS befindet sich noch in der "Rekrutierungsphase": Sobald wir über eine ausreichende Mitgliederzahl verfügen plant STADUS auch über den reinen Kontakt hinausgehende Aktivitäten. Auf der Informationsseite http://infos.informatik.uni-stuttgart.de/stadus von STADUS werden wir davon berichten bzw. die Mitglieder per Mail informieren.

    Natürlich stehen auch jetzt schon die beiden Ansprechpartner Christian Seybold (ST96, cseybold@gmx.de) und Thomas Schlegel (ST97, Thomas.Schlegel@gmx.de) gerne für Fragen aller Art zur Verfügung. Wir würden uns wünschen, schon bald viele alte und neue "Softies" zu diesem spannenden Vorhaben begrüßen zu dürfen.

    (Christian Seybold, Thomas Schlegel / lh)

     

    Und wo bitte finde ich die Stuttgarter Informatik?

    Erinnerungen an frühere Standorte (Teil 1)

    Im März 2001 begannen auf dem Campus in Stuttgart-Vaihingen die Bauarbeiten für den neuen Informatikbau - das erste Gebäude, das speziell für die Informatik in Stuttgart entworfen und errichtet wird.

    Mit dem Einzug - voraussichtlich im Herbst 2003 - wird ein mehr als dreißigjähriger Wunsch der Stuttgarter Informatiker und Informatikerinnen nach einem eigenen, zentral gelegenen Institutsgebäude in Erfüllung gehen.

    Zu Ende gehen wird die jahrzehntelange Nutzung von "Gebraucht-Immobilien", die sich beim stetigen Wachstum der Informatik und der mit dem Computer verbundenen Technologie jedes Mal als zu klein erwiesen haben.

    Wo fing es eigentlich an?

    Start im Herdweg 51

    Das im Norden Stuttgarts gelegene Gebäude wurde von der Firma Südtex Anfang der fünfziger Jahre erbaut und nur bis etwa 1957 genutzt, weil die Firma mit dem Herdweg 23 ein wesentlich größeres und für ihre Präsentationen geeigneteres Grundstück erwerben konnte.

    Die damalige Technische Hochschule konnte das geräumige Gebäude Herdweg 51 mit einem gepflegten Garten erwerben und mehrere Institute dort ansiedeln: Die Geologie, Teile des Instituts für Kernenergie, die Rechnergruppe der Luft- und Raumfahrttechnik und das neugegründete Recheninstitut.

    Als Vorläufer des späteren Rechenzentrums startete das Recheninstitut 1958 mit einem Digitalrechner Zuse Z 22, der von der Vereinigung der Freunde der T. H. Stuttgart gestiftet wurde.

    Im Wintersemester 1961/62 wurde dort auch der neue Lehrstuhl für Instrumentelle Mathematik von Prof. Dr. Walter Knödel angesiedelt - die Keimzelle der Stuttgarter Informatik.

    Bald wurde es sehr eng im Herdweg: Prof. Knödel musste seine Mitarbeiter im Kellergeschoss des Gebäudes, der sogenannten Galeere, einquartieren und manche sogar in die neu erbaute Bibliothek in der Holzgartenstraße aussiedeln.

    Auch die neuen Rechner ER 65 von SEL und TR 4 von Telefunken erhielten dort den von ihnen benötigten Platz. Auf Druck des Recheninstituts gelang es dem Verwaltungschef der damaligen Universität Stuttgart (TH), die Geologie und die Rechnergruppe der Luftfahrttechnik an andere Standorte zu verlegen.

    Pfaffenwaldring 64

    Das 2. Datenverarbeitungs - Förderungsprogramm des damaligen Bundesforschungsministers ermöglichte der Universität Stuttgart die Gründung des neuen Studiengang Informatik (ab WS 1970/71), des Instituts für Informatik (1972) und mehrerer neuer Forschungsgruppen.

    Für die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde am Pfaffenwaldring ein Holzhaus-Provisorium errichtet. Diese "Baracke" erhielt eine moderne Telefonanlage - ihre Wände waren aber so dünn, dass sich die Bewohner benachbarter Räume auch gut ohne diese verständigen konnten.

    Auch Prof. Knödel zog in den Pfaffenwaldring um und mit ihm die Forschungsgruppen für Datenbanken, Rechnerkommunikation und computerunterstütztes Lehren und Lernen.

    Für die neu berufenen Informatiker Prof. Neuhold und Prof. Schwabhäuser war auch die "Baracke" zu klein. Prof. Neuhold eroberte einige Räume im Herdweg 51, die zuvor vom Institut für Kernenergetik belegt wurden.

    Wiederholdstraße 18 und Relenbergstraße 69

    Prof. Schwabhäuser zog sich in die Untergeschossräume eines größeren Wohnhauses in der Wiederholdstrasse zurück. Es lag gegenüber dem Altbau des damaligen Physikalischen Instituts.

    Nach zähen Verhandlungen wurde ihm auch ein Kopierer für seine "Diaspora" bewilligt. Eine idyllische Bleibe fand Prof. Gunzenhäuser 1973 in einer Erdgeschosswohnung einer kleinen Villa in der Relenbergstraße. Das einzige Kommunikationsmedium bildeten drei Telefonanschlüsse - mit einem davon konnte man sogar Ortsgespräche führen.

    Das Institut für Informatik war damit viergeteilt. Dazu kam die Nutzung von Hörsälen in der Azenbergstraße, der Wiederholdstraße und im Herdweg 23 sowie häufige "Reisen" zum Dekanat der Mathematik im Pfaffenwaldring und den Verwaltungsstellen der Universität in Stadtmitte.

    Auch die Mensa und die Universitätsbibliothek waren in der Stadtmitte untergebracht. Dieses Netz von Örtlichkeiten sorgte im Sommersemester für viele ausgedehnte "Dienstgänge" und im Winter für die unvermeidlichen Rutschpartien.

    Ihren Studierenden bot sich die Informatik als wahres "Puzzelspiel" an; wer herausfinden konnte, wo seine/ihre mündliche Prüfung stattfinden sollte, hatte diese schon fast bestanden.

    Zum Besuch der (wöchentlichen) Institutssitzung im Pfaffenwaldring 64 mussten sich die "Azenberg-Mitarbeiter" schon eine Stunde früher aufmachen, weil es damals nur einen klapprigen Hochschulbus (ab Keplerstraße) und noch keine S-Bahn gab. Benzinkostenersatz gab es, wenn überhaupt, nur für Professoren!

    Azenbergstraße 12

    Trotz allen Widrigkeiten verlor die Stuttgarter Informatik nie ihr Vertrauen in die Universitätsleitung und das Hochschulbauamt.

    Diese sorgten dafür, dass die Institute der Physik 1975 in einen riesig dimensionierten Neubau (Pfaffenwaldring 57) umziehen konnten, in dem auch die Mathematischen Institute genügend Raum fanden. Dort war fortan auch das für die Informatik zuständige Dekanat zu finden.

    Die Physik räumte ihre Gebäude im Azenbergbereich bis auf ihren großen Hörsaal.

    In das ältere Haus des "Königlichen Württembergischen Instituts für Physik" (1880 bis 1918 so genannt) zog die Landesanstalt für Unterricht; der Neubau (Azenbergstraße 12) der Physikinstitute wurde dagegen fast vollständig dem Institut für Informatik zugewiesen.

    Es durfte fortan auch den (alten) Hörsaal in der Wiederholdstraße und den neuen, großen mitbenutzen.

    Mit dem Umzug fiel die Nutzung der Baracke und der beiden gemieteten Wohnungen weg. Die Informatik war nun auf die beiden relativ eng benachbarten Gebäude Azenbergstraße 12 und Herdweg 51 konzentriert.

    Im Herdweg hatte der neue Großrechner Telefunken TR 440 inzwischen viele ehemalige Büroräume des 1. Obergeschosses belegt. Dafür konnte man ihn über Terminals auch von der Azenbergstraße aus benutzen.

    Die Stuttgarter Informatik war nun unter einem großen und einem kleinen (Flach-)Dach. Diese Konstellation dauerte fast 15 Jahre lang - warum nicht länger?

    (Prof. Dr. Gunzenhäuser / ts)

    Darüber lesen Sie in der nächsten Folge des Chronisten.


     

    Parade der Software-Pioniere

    Am 28. und 29. Juni 2001 fand in Bonn eine denkwürdige Veranstaltung statt: Die Firma sd&m hatte ihre Belegschaft, etwa 800 überwiegend junge Leute, zu einem Symposium geladen; zusammen mit etwa 300 geladenen Gästen füllten sie den alten Bundestag und seine Tribünen besser, als es die Politiker kaum je getan hatten. Der Olymp der Softwaretechnik war fast vollzählig angetreten, um über die Hintergründe, die Randbedingungen und die Folgen ihrer Entdeckungen und Erfindungen zu sprechen. Vermutlich waren nie zuvor so viele Koryphäen unseres Fachs in einem Raum versammelt, und wahrscheinlich werden sie es nie wieder sein:

    Friedrich L. Bauer Edsger W. Dijkstra
    Ole-Johan Dahl Sir Anthony alias C.A.R. Hoare
    (und als Teilnehmer auch Kristen Nygaard) David L. Parnas
    Niklaus Wirth John Guttag
    Fred Brooks Michael A. Jackson
    Alan Kay Tom DeMarco
    Rudolf Bayer Michael E. Fagan
    Peter P.-Sh. Chen Barry W. Boehm
      Erich Gamma

    Wer nach Lücken sucht, kommt bald auf Donald Knuth (der sich seit langem in seinem Haus verschanzt, um Bücher zu schreiben), E.F. Codd (dessen Gesundheit seine Teilnahme verbietet, Bayer hat seine Leistung gewürdigt) und die UNIX-Ecke (die sich aus unterschiedlichen Gründen verweigert hat). Die Anwesenden ließen die Fehlenden rasch vergessen.

    Natürlich bilden diese Pioniere keine homogene Gruppe, im Gegenteil: Es gab gute und weniger gute Vorträge (aber nicht so schlechte, wie sie auf Tagungen fast den Normalfall darstellen). Es gab Eigenwerbung und spannende Wissenschaftsgeschichte, es gab packende Vorträge und papiertrockene.

    Wer dort war und Ohren hat zu hören, wird einige Bilder bestätigt oder korrigiert finden und einige Eindrücke für lange Zeit bewahren:

    Die Tagung, ruhig und kompetent geleitet von Manfred Broy, wurde komplett über das Internet verbreitet. Das hat anscheinend gut funktioniert; natürlich war dazu eine üppige Bandbreite vorteilhaft. Wer die Übertragung verpasst hat, kann auch jetzt noch auf die Vorträge zugreifen (aber bekommt nicht die Bilder, die projiziert wurden). Ein vorläufiger Tagungsband (Springer) mit den historischen Beiträgen der Referenten wurde verteilt, in einer zweiten Fassung werden auch die Bonner Vorträge enthalten sein.

    Die perfekt organisierte Konferenz bildete auch den Rahmen für die Verabschiedung des sd&m-Gründers, Prof. Ernst Denert, aus der operativen Leitung des Unternehmens; seit dem 1. Juli 2001 ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats. Denert, der die Tagung durch einen klugen Vortrag über die weiteren Referenten eingeleitet hatte, übergab am Ende buchstäblich den Taktstock seinem Nachfolger, Edmund Küpper. Das war ein fliegender Wechsel; die Musik spielte weiter.

    Die universitäre Informatik ist Ernst Denert zu Dank verpflichtet: Wie kein anderer hat er auf beiden Seiten des Grabens zwischen Academia und Praxis gewirkt, den Austausch gefördert, Vorlesungen gehalten, Stipendien und Preise gestiftet, in München auch eine Professur. In dieser Rolle bleibt er uns zum Glück erhalten.

    (Prof. Dr. Ludewig /lh)

    Hinweis.
    Die Firma sd&m ist seit Anfang 1999 Firmenmitglied bei infos. (lh)


     

    Ankündigung:
    Nächste Firmenkontaktmesse am 14.11.2001

    Die bei Studenten und Firmen gleichermaßen beliebte infos-Kontaktmesse findet am Mittwoch, den 14.11.2001, wieder in der Fakultät Informatik statt.

    Es handelt sich bereits um die 7. Veranstaltung dieser Art. Ziel ist es, Industrie, Fakultät und Studierenden Gelegenheit zur Stärkung der Beziehungen zwischen Wissenschaft und Praxis zu bieten.

    Auch in diesem Jahr findet parallel hierzu der "Uni-Tag" statt. Es werden also nachmittags einige hundert Schüler(innen) die Kontaktmesse in Augenschein nehmen können. Diese können sich dabei schon einmal über Praktika und Berufsaussichten informieren.

    (Prof. Dr. Hieber / ts)

     

    Hinweise

    GI-ACM Regionalgruppe

    Vortrag 1. Mittwoch im Monat, siehe www.uni-stuttgart.de/External/gi-rg-s/

    Informatik Kolloquium

    Dienstags 17.00 Uhr, siehe www.informatik.uni-stuttgart.de/kolloquium/

    Arbeitskreis Industriekontakte

    Die nächste Sitzung des Arbeitskreises Industriekontakte findet am Dienstag 13.11.2001 statt. Mitarbeit ist willkommen. Ansprechpartner: Prof. Hieber.


    Impressum

    V.i.S.d.P.
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    Prof. Dr. Ludwig Hieber,
    Dr. Jürgen Dammert,
    Dipl. Inf. Michael Matthiesen

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    Vorläufiger Redaktionsschluss nächste Ausgabe
    5.11.2001

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